
Hamburg (dpa/lno) – Der Flughafen Hamburg hat im vergangenen Jahr erneut schwarze Zahlen geschrieben. Der Umsatz legte um 10 Prozent auf knapp 300 Millionen Euro zu, der Gewinn belief sich auf 20,4 Millionen Euro, wie der Geschäftsführer der Flughafen Hamburg GmbH, Christian Kunsch, sagte. Im Jahr 2023 hatte der Airport mit 6,6 Millionen Euro erstmals seit der Corona-Pandemie wieder ein Plus erwirtschaftet.
Die Zahl der Passagiere stieg 2024 um neun Prozent auf 14,8 Millionen. Das sind immer noch deutlich weniger als 2019, als 17,3 Millionen Menschen in Hamburg abflogen oder landeten.
Zahl der Geschäftsreisen stagniert
Das Wachstum geht fast ausschließlich auf die Zunahme der Privatreisen zurück. Die Geschäftsreisenden machen nur rund 20 Prozent aus. Dieser Anteil werde sich auch in den nächsten Jahren nicht ändern, sagte Kunsch. Ein Grund sei, dass viele Firmen ihren Mitarbeitern keine innerdeutschen Flüge mehr erlaubten. Das zu ändern, sei eine politische Entscheidung. «Ich erhoffe mir auch, dass es da wieder eine gewisse Öffnung gibt, die dann die innerdeutschen Verkehre wieder etwas besser funktionieren lässt», sagte Kunsch.
Vor allem junge Leute fliegen mehr
Der Geschäftsführer zeigte sich dennoch optimistisch, dass der Hamburger Flughafen irgendwann wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen werde. Der Airport habe sich von allen deutschen Flughäfen, mit Ausnahme von Frankfurt und München, am besten entwickelt. Die Privatreisen seien bereits auf dem Niveau von 2019. Die meisten Reisenden gehörten zur Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen. Gerade die unter 24-Jährigen würden viele Flugreisen machen: «Wir können heute sagen: Die, die am meisten fliegen und da richtig Spaß dran haben und die Welt kennenlernen, das sind die jungen Leute.»
120 Flugziele ab Hamburg
Am Hamburg Airport sind 55 Fluggesellschaften vertreten, wie Geschäftsführerin Berit Schmitz sagte. Sie haben 120 Reiseziele in Europa und im Nahen Osten im Angebot. Alle großen Umsteigeflughäfen in dieser Region können von Hamburg aus erreicht werden. 17 Prozent der Hamburger Passagiere haben ein außereuropäisches Reiseziel. Am stärksten Vertreten seien Lufthansa und ihre Tochter Eurowings. Dann folgten Condor, EasyJet und Ryanair.
Rechtsstreit um Gebührenanhebung
Die im April in Kraft getretene Gebührenanhebung habe zur Folge gehabt, dass einige Airlines Flüge gestrichen hätten, sagte Kunsch. Aber andere Fluggesellschaften hätten ihr Angebot ausgeweitet. Die Zahl der Passagiere werde auf dem Niveau des vergangenen Jahres bleiben. Gegen die Gebührenanhebung hätten einige Airlines Widerspruch eingelegt. Das werde vor Gericht geklärt, sagte der Geschäftsführer. Die reguläre Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften laufe weiterhin gut. Wegen der Kosten- und vor allem Tarifsteigerungen werde der Flughafen zum Ende des Jahres erneut eine Gebührenanhebung beantragen müssen, kündigte Schmitz an.
Die 13 Streiktage im vergangenen Jahr hätten den Flughafen ungefähr zwei Millionen Euro gekostet, sagte Kunsch. Die fünf Streiktage in diesem Jahr hätten das Ergebnis bereits um 1,5 Millionen Euro geschmälert.
Neue Kinderspielplätze und Raucherlounge
Die Geschäftsführung plant weitere Investitionen in mehr Reisekomfort, Sicherheit und Klimaschutz. Vorgesehen sind die Erneuerung von Sanitäranlagen und deren Ausstattung mit Graffiti-Schutz. Bis zum Sommer soll es zehn neue Wasserspender gegen. Die jüngsten Passagiere können sich auf fünf Kinderspielplätze freuen. Für gehbehinderte Menschen schafft der Flughafen neue elektrische Rollstühle an. Hinzukommen sollen sogenannte Elektro-Highloader, mit denen Rollstuhlfahrer ins Flugzeug gehoben werden können. Ab dem Herbst soll den Rauchern eine eigene Lounge zur Verfügung stehen. Bis 2029 soll für 80 Millionen Euro eine neue Gepäckförderanlage entstehen.
Notfall-Stromversorgung wird ausgebaut
Die Stromversorgung soll durch weitere Notfallgeneratoren sicherer werden. Bei einem Ausfall des Umspannwerks wie kürzlich in London-Heathrow müsste auch der Hamburg Airport zurzeit noch seinen Betrieb einstellen, räumte Kunsch ein. Doch das werde sich schon Anfang nächsten Jahres ändern. Dann könnten die Generatoren den Betrieb über viele Tage aufrechterhalten, sofern genug Kraftstoff zur Verfügung steht.
Mehr Sicherheitstechnik
Um das Eindringen von Unbefugten auf das Flughafengelände zu verhindern, wird der 16 Kilometer lange Zaun derzeit durchgängig mit Nato-Draht versehen. Bis zum Herbst soll es überall am Zaun Sensortechnik geben. An den Zufahrten wurden bereits Poller und Rolltore für 4 Millionen Euro installiert. Der ganze Flughafen soll auch mit Kameras erfassbar sein, aber dafür müssen zunächst die rechtlichen Voraussetzungen geklärt werden. 15 Millionen Euro will der Flughafen in den nächsten drei Jahren für Sicherheitstechnik ausgeben.
Die mit Abstand größte Investition ist das Vorhaben, bis 2035 CO2-emissionsfrei zu werden. Dafür sind 250 Millionen Euro vorgesehen. Allein 70 Millionen Euro sind für den Bau von sechs Windrädern bei Kaltenkirchen nördlich von Hamburg vorgesehen.