
Hamburg (dpa/lno) – Auf hohen Wänden entsteht Stück für Stück Gustav Klimts Meisterwerk «Der Kuss». Gebannt schauen die Besucher auf die riesigen Kompositionen aus Farbe und Gold, ermöglicht durch digitale Projektionen. Immersive Ausstellungen nennt man diese Formate. In wenigen Tagen öffnet das neue digitale Kunstzentrum Port des Lumières im Westfield Hamburg-Überseequartier.
«Es ist das erste dauerhafte Angebot für immersive digitale Kunst in der Hansestadt – und das größte in ganz Norddeutschland», teilte der Betreiber Culturespaces bei einer Vorbesichtigung für die Presse mit. Das neue Zentrum will allen Gästen einen leichten Zugang zur Kunst bieten. Es gibt nur wenige Informationstafeln, keinen Audioguide. Begleitet wird die farbenprächtige Show von eigens komponierter Musik. Man wolle die Besucher emotional ansprechen und für Kunst begeistern, sagte Geschäftsführer Jan-Peter Becker.
Das XXL-Bauprojekt Westfield Hamburg-Überseequartier mit riesiger Shopping-Mall, Gastronomie und Freizeitangeboten feiert nach mehrfacher Verschiebung nun am 8. April Eröffnung. Dann können Premierengäste auch einen ersten Eindruck von dem neuen Kunstbau Port des Lumières («Hafen der Lichter») bekommen. Einen Tag später öffnet das immersive Kunsterlebnis für das breite Publikum.
Kunst zum Eintauchen liegt im Trend, an vielen Orten in Deutschland wurden schon in großen Hallen Gemälde populärer Künstler an Wände projiziert. Das französische Kulturunternehmen Culturespaces betreibt bereits ein Kunstzentrum in Deutschland, und zwar in Dortmund.
Besuch dauert eine Stunde
Die drei geplanten Auftakt-Ausstellungen in Hamburg sind «Gold und Farbe» mit Werken von Gustav Klimt (1862-1918), «Auf den Spuren der Wiener Secession» mit Bildern von Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) sowie die zeitgenössische Schau «Journey» des türkischen Produktionsstudios Nohlab. Sie sind voraussichtlich bis Ende des Sommers zu sehen. In einem Atelier für Kinder können junge Besucher ihre eigene magische Welt entdecken.
Der Besuch der drei Präsentationen dauert eine Stunde und ist mit einem Ticket möglich. Das neue Kunstgebäude mit dem wellenförmigen Design hat eine Ausstellungsfläche von 1.700 Quadratmetern bei einer Raumhöhe von zehn Metern. Die Gesamtprojektionsfläche beträgt 3.200 Quadratmeter. 80 Videoprojektoren sind im Einsatz.
Die Macher möchten die maritime Identität der Stadt einbeziehen: Die Besucher können auf einer zweiten Ebene in der Haupthalle auf einem Schiffsbug stehen und von einer Reling auf die Installation schauen. Zu Beginn werden Bilder des Hamburger Hafens gezeigt.
In diesem Jahr 40.000 Gäste erwartet
Culturespaces hat einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in Port des Lumières in Hamburg investiert – genauer beziffert wird der Betrag nicht. In diesem Jahr werden den Angaben zufolge etwa 400.000 Besucher erwartet, in den nächsten Jahren dann bis zu 600.000.
Immersive Kunstausstellungen sind nach Angaben der Hamburger Kulturbehörde in der Regel privat organisierte Formate. «Immersive Ausstellungen zeigen Kunst auf oft überraschende Weise und können faszinierende Erlebnisse schaffen», sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Sie ergänzen damit unsere vielfältige Museumslandschaft und machen hoffentlich auch Lust, die großartige Kunst im Original zu erleben. Sie können damit einen guten Beitrag dazu leisten, noch mehr Menschen für die Künste zu begeistern.»