Kreise erwarten Vorgaben für Zivil- und Katastrophenschutz

Henning Görtz fordert klare Vorgaben beim Katastrophenschutz. (Archivfoto)
Henning Görtz fordert klare Vorgaben beim Katastrophenschutz. (Archivfoto) Foto: Marcus Brandt/dpa

Bad Oldesloe (dpa/lno) – Vor dem Hintergrund der veränderten Weltlage und des Klimawandels stellen sich die für Katastrophenschutz zuständigen Kreise in Schleswig-Holstein neu auf. «Ich erwarte vom Land vor allem klare Ansagen, weil wir wissen müssen, was das Land ganz konkret von uns erwartet», sagte der Stormarner Landrat Henning Görtz (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Der 59-Jährige ist auch Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Landkreistags. Das Land sei das Scharnier zwischen dem Bund und den Kreisen. «Mehr Tempo kann auf keinen Fall schaden. Darum begrüßen wir die aktuell vom Land ergriffenen Maßnahmen.»

Die Landesregierung hat gerade beschlossen, eine Taskforce für zivile Verteidigung aufzustellen, zu der neben Bundeswehr und Landesbehörden auch die kommunalen Verbände und die Hilfsorganisationen gehören.

Es ist auch eine Frage des Geldes

Wenn größere Investitionen für die zivile Verteidigung und den Katastrophenschutz nötig seien, «dann muss man auch darüber reden, wie die zu finanzieren sind. Wir sind genauso klamm wie das Land», so Görtz. Kreise, Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein hätten in ihren Haushalten für 2025 ein Defizit von zusammen rund zwei Milliarden Euro ausgewiesen. «Zivile Verteidigung ist Bundesaufgabe, das muss auch vom Bund bezahlt werden.»

Der Zivil- und Katastrophenschutz habe in Deutschland einen ganz anderen Stellenwert bekommen, sagte Görtz. Das liege nicht nur am Ukraine-Krieg, sondern auch an Katastrophen wie im Ahrtal. «Wir müssen vorbereitet sein und auch das Thema Warnung wieder mehr in den Mittelpunkt stellen.»

Lob für die bisherigen Anstrengungen des Landes

Görtz lobte das Land, weil es etwa mit der Bereitstellung von Fahrzeugen, Notstromanlagen, Pumpen und Technik schon viel beigetragen habe. «Wir sind heute erheblich besser vorbereitet als noch vor einigen Jahren.»

Die Kreisverwaltung betreibe heute einen viel größeren Aufwand mit mehr Personal, zum Beispiel für die Planung, was bei Stromausfall (Blackout) zu tun sei. Es gebe Listen mit kritischer Infrastruktur und die Schnittstellen zu den Kommunen würden definiert.

Auch in den Städten und Gemeinden gebe es heute ein viel größeres Bewusstsein, obwohl sie nicht unmittelbar für den Katastrophenschutz zuständig seien. Wichtig ist nach Görtz‘ Angaben die Planung von Anlaufstellen vor Ort. «Das können wir als Kreis nicht planen.» So könne ein Dorfgemeinschaftshaus zum Anlaufpunkt werden, der auch bei einem Blackout warm und mit Strom versorgt sei.

Rückgrat sind Feuerwehren und Hilfsorganisationen 

Allein im Kreis Stormarn stehen nach Görtz‘ Angaben in 86 Freiwilligen Feuerwehren rund 3.600 Feuerwehrleute zur Verfügung und knapp 500 Frauen und Männer der Hilfsorganisationen wie DRK und ASB. «Ohne diese Strukturen vor Ort wären wir bei weitem nicht so schlagkräftig.»

«Die Kreise sind nicht alle gleich weit, aber es ist wichtig, dass das Bewusstsein überall geschärft ist. Dafür sorgen auch wir als Landkreistag.» Die Bedürfnisse seien unterschiedlich, etwa zwischen den Küsten- und Binnenkreisen.

Katastrophenschutz dürfe dabei nicht allein in Richtung zivile Verteidigung gedacht werden, betonte der Landrat. Angesichts des Klimawandels müsse man immer auch an Unwetter denken. Bei allen Überlegungen sei auch die Eigenvorsorge der Bevölkerung wichtig.

«Wir müssen dazu kommen, dass die Menschen sich zumindest in den ersten 48 oder 72 Stunden selbst helfen können.» Für die Menschen, die dazu nicht in der Lage seien, müsse zuerst die erforderliche Hilfe zur Verfügung stehen. Aber Hilfe werde nicht für alle da sein.

Auch Vorbereitung auf Selbsthilfe ist wichtig

Beispiel Unwetter: «Ich muss bei den Menschen um Verständnis werben, dass die Feuerwehr nicht als erstes zu ihnen kommt, wenn sie zwei Zentimeter Wasser im Keller haben.» Da müsse es mit Gartenpumpe, Feudel und Eimer gehen.

«Das Thema Selbstvorsorge und Selbstverantwortung ist ganz wichtig.» Dazu gehöre auch eine Bevorratung mit Wasser, Lebensmitteln und allen Utensilien, die man täglich auch dann benötige, wenn der Strom weg sei und Supermärkte nicht öffnen könnten.